Wenn Nähe alte Geschichten weckt
Beziehungen sind für die meisten Menschen ein Ort der Hoffnung. Wir wünschen uns Nähe, Sicherheit, Verbundenheit. Und doch erleben viele, dass gerade intime Beziehungen alte Verletzungen berühren. Gefühle werden intensiver, Reaktionen stärker, Missverständnisse häufen sich. Das wirkt oft überraschend – ist aber zutiefst menschlich.
Denn in Beziehungen werden wir, bewusst oder unbewusst, mit unserer eigenen Beziehungsgeschichte konfrontiert. Frühere Erfahrungen mit Nähe, Distanz, Verlässlichkeit oder emotionaler Abwesenheit wirken weiter. Sie prägen, was sich im Körper sicher anfühlt – und was nicht.
Warum wir uns „vertraut Unvertrautes“ aussuchen
Auffällig ist: Viele Menschen fühlen sich von Partnerinnen oder Partnern angezogen, die eine ähnliche Beziehungsgeschichte mitbringen wie sie selbst. Nicht, weil das leicht ist. Sondern weil es vertraut ist. Das Nervensystem erkennt bekannte Muster – auch wenn diese schmerzhaft waren.
So kann es passieren, dass jemand, der sich als Kind nach Nähe gesehnt hat, sich zu Menschen hingezogen fühlt, die emotional schwer erreichbar sind. Oder dass jemand, der frühe Überforderung erlebt hat, erneut in Beziehungen gerät, in denen eigene Grenzen schwer spürbar bleiben.
Das geschieht nicht aus „Fehlentscheidung“, sondern aus einem tiefen inneren Versuch, etwas zu klären, was früher offen geblieben ist.
Beziehungen als Spiegel – nicht als Schuldfrage
Wichtig ist: Das sind keine bewussten Entscheidungen. Es geht nicht um Schuld, weder bei Ihnen noch beim Gegenüber. Beziehungen wirken wie ein Spiegel. Sie zeigen, wo alte Schutzmechanismen noch aktiv sind – und wo Entwicklung möglich wird.
Gerade dann, wenn Konflikte sich wiederholen oder Gefühle scheinbar „zu groß“ werden, lohnt ein langsamer Blick nach innen:
Was wird hier eigentlich berührt?
Welche alte Erfahrung meldet sich gerade?
Ein behutsamer Weg zu mehr Freiheit in Beziehungen
In der körperorientierten Traumatherapie geht es nicht darum, Beziehungen zu analysieren oder Inhalte endlos zu besprechen. Entscheidend ist, wie sich Nähe, Distanz, Spannung oder Rückzug im Körper zeigen. Dort liegt oft der Schlüssel für Veränderung.
Wenn das Nervensystem mehr Sicherheit erlebt, entstehen neue Wahlmöglichkeiten. Nähe kann sich dann Schritt für Schritt freier anfühlen – ohne alte Muster zwangsläufig zu wiederholen.
Beziehungen müssen nicht perfekt sein. Aber sie können bewusster werden. Und genau darin liegt oft ein großer Schritt hin zu mehr Verbundenheit – mit anderen und mit sich selbst.
Kontakt
Wenn Sie sich in diesen Zeilen wiederfinden und Ihre Beziehungsmuster behutsam verstehen möchten, begleite ich Sie gern in meiner Praxis in Gauting, südlich von München.

