Der dänische Familientherapeut Jesper Juul hat einen Begriff geprägt, der vielen Eltern zunächst fremd vorkommt: das Selbstgefühl. Es beschreibt etwas Tieferes als Selbstvertrauen oder Selbstwertgefühl – nämlich die innere Gewissheit:
„Ich bin, wie ich bin, und das ist in Ordnung.“
Dieses innere Selbstgefühl ist die Grundlage für seelische Gesundheit und stabile Beziehungen – in der Kindheit und weit darüber hinaus.
Was meint „Selbstgefühl“ genau?
- Selbstvertrauen entsteht durch Erfahrungen von Kompetenz („Das habe ich geschafft!“).
- Selbstwertgefühl wächst durch Anerkennung und Rückmeldungen von außen („Du bist wichtig!“).
- Selbstgefühl ist tiefer: Es ist das Gefühl, als Mensch im eigenen Sein richtig zu sein.
Wenn Kinder ein gesundes Selbstgefühl entwickeln, können sie sich selbst spüren, Grenzen setzen und Nähe zulassen – ohne Angst, abgelehnt zu werden.
Wenn das Selbstgefühl verletzt wird
Kinder verlieren ihr Selbstgefühl, wenn sie wiederholt Kritik, Druck oder emotionale Abwertung erfahren.
Sie entwickeln Überlebensstrategien: übermäßige Anpassung, Rückzug oder Wut.
Diese Muster bleiben oft bis ins Erwachsenenalter bestehen – und wirken dann in der eigenen Elternrolle weiter.
Wie Eltern das Selbstgefühl stärken können
- Zuhören, ohne sofort zu bewerten
- Fehler zugeben und so Ehrlichkeit vorleben
- Liebe unabhängig von Leistung zeigen („Ich hab dich lieb – egal, ob du eine Eins oder eine Vier schreibst“)
- Bedürfnisse ernst nehmen, auch wenn sie nicht immer erfüllt werden können
Schon kleine Veränderungen in der Haltung machen Kindern spürbar:
„Ich bin wertvoll – einfach, weil ich da bin.“
Praxisbeispiel
Ein Vater erzählte, dass sein Sohn sich ständig zurückzog. Im Gespräch wurde klar, dass der Junge oft das Gefühl hatte, seine Meinung zähle nicht. Als der Vater begann, bewusster zuzuhören und auch seine eigenen Gefühle offen anzusprechen, entstand mehr Vertrauen und Nähe.
Kundenstimme
Ich habe verstanden, dass es nicht darum geht, mein Kind ständig zu loben, sondern ihm zu zeigen, dass es für mich wertvoll ist – so wie es ist.
(Mutter, 42 Jahre)
