Vorannahmen & Bezugsrahmen – warum wir oft nur sehen, was wir erwarten

Veröffentlicht: 29. Okt. 2025 | Kategorie: Selbstwahrnehmung |

Manchmal lösen sich Probleme erst, wenn wir sie anders betrachten.
Viele Menschen erleben, dass sie immer wieder auf dieselbe Art reagieren oder feststecken – obwohl sie sich Veränderung wünschen. Der Grund liegt oft in unseren Vorannahmen: in dem, was wir unbewusst über uns selbst, andere oder das Leben glauben. Diese inneren Bezugsrahmen lenken unsere Wahrnehmung – und damit auch, wie wir Lösungen suchen.

Was sind Vorannahmen?

Vorannahmen sind Gedanken oder Überzeugungen, die wir meist gar nicht hinterfragen.
Sie entstehen durch Erfahrungen, Erziehung und Umfeld.
Sie filtern, was wir wahrnehmen – ähnlich wie eine unsichtbare Brille, durch die wir die Welt betrachten.
Wenn wir etwa glauben, „Ich muss alles allein schaffen“, werden wir jede angebotene Hilfe leicht übersehen.
So bestätigen wir immer wieder unsere alte Sicht – und merken gar nicht, dass es auch anders gehen könnte.

Wie unser Bezugsrahmen Wahrnehmung formt

Jede Situation lässt sich aus vielen Perspektiven sehen. Doch wir wählen meist unbewusst nur eine – nämlich die, die zu unserem inneren Bezugsrahmen passt.
Das klassische Beispiel ist das Bild, auf dem entweder eine junge Frau oder eine alte Frau zu sehen ist.
Beides ist richtig, aber nicht gleichzeitig sichtbar. Erst wenn wir den Blick bewusst verändern, können wir beide erkennen.

Auch im Leben gilt: Wenn wir den Bezugsrahmen verändern, sehen wir plötzlich neue Möglichkeiten.

Beispiel: Das 9-Punkte-Rätsel

Vielleicht kennen Sie die Aufgabe: „Verbinden Sie neun Punkte mit vier geraden Linien, ohne den Stift abzusetzen.“
Viele Menschen versuchen es – und bleiben im Quadrat gefangen.
Die Lösung liegt außerhalb des gedachten Rahmens.
Genau das geschieht auch in der inneren Arbeit: Erst wenn wir bereit sind, über die gewohnten Grenzen hinauszudenken, öffnet sich Raum für neue Lösungen.

„Es ändert sich nur dann etwas, wenn sich etwas ändert.“
(Ulrich Hoening)

Warum das für innere Arbeit wichtig ist

In der Traumatherapie, im Coaching oder in der Begleitung von Familien spielt diese Haltung eine große Rolle.
Wenn wir alte Vorannahmen erkennen – etwa „Ich bin schuld“ oder „Ich darf keine Fehler machen“ – entsteht ein neuer Spielraum.
Das Nervensystem kann sich entspannen, neue Erfahrungen werden möglich, und Veränderung wird leichter.

Ein Perspektivwechsel ist daher kein intellektuelles Spiel, sondern ein Schritt zu mehr Selbstvertrauen und innerer Freiheit.

Kleine Übung für den Alltag

Beobachten Sie für einen Moment Ihre Gedanken, wenn Sie sich über etwas ärgern.
Fragen Sie sich:

  • Welche Vorannahme steckt dahinter?
  • Könnte ich diese Situation auch anders sehen?

Schon diese kleine Unterbrechung erweitert den inneren Raum – und kann den ersten Impuls für Veränderung geben.

Kundenstimme

Ich habe gemerkt, dass ich die Dinge immer gleich interpretiert habe. Durch die Arbeit mit Herrn Hoening konnte ich lernen, mich selbst mit neuen Augen zu sehen.

(Frau, 48 Jahre)

Wenn Sie Ihre Wahrnehmungsmuster besser verstehen oder Ihre Perspektive verändern möchten

begleite ich Sie gerne in meiner Praxis in Gauting, im Würmtal südlich von München.