Viele Menschen mit einem Entwicklungstrauma fragen sich, warum sie immer wieder in Beziehungen geraten, die schmerzhaft oder belastend sind. Häufig begegnen sie Partnern, die selbst ähnliche Erfahrungen von Vernachlässigung, emotionaler Kälte oder Überforderung in der Kindheit gemacht haben. Dieses wiederholte Muster ist kein Zufall – es hat viel mit unserem Nervensystem und tiefen Bindungsprägungen zu tun.
Was ist ein Entwicklungstrauma?
Ein Entwicklungstrauma entsteht nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch wiederholte Erfahrungen in der Kindheit:
- fehlende emotionale Zuwendung
- unsichere oder widersprüchliche Bindung
- Überforderung durch Gewalt, Sucht oder psychische Erkrankungen in der Familie
Das Nervensystem des Kindes passt sich an diese Bedingungen an. Es lernt, dass Nähe unsicher sein kann, dass Rückzug Schutz bedeutet oder dass Gefühle nicht gezeigt werden dürfen. Diese frühen Muster prägen später unsere Beziehungsfähigkeit.
Warum Gleiches Gleiches anzieht
Es gibt mehrere Gründe, warum Menschen mit Entwicklungstrauma oft Partner mit ähnlichen Verletzungen finden:
- Unbewusste Vertrautheit
Unser Nervensystem erkennt unbewusst das, was wir aus der Kindheit kennen. Auch wenn es schmerzhaft war, wirkt es vertraut – und wird deshalb als „passend“ empfunden. - Gegenseitige Trigger
Zwei Menschen mit ungelösten Traumata stoßen oft gegenseitig alte Wunden an. Ein Streit, ein Rückzug oder ein Wort kann alte Gefühle von Ohnmacht oder Verlassenwerden auslösen. - Sehnsucht nach Heilung
In Beziehungen hoffen viele, endlich das zu bekommen, was in der Kindheit fehlte: Sicherheit, Anerkennung, Geborgenheit. Leider führt diese Erwartung oft zu Enttäuschungen, wenn der Partner selbst mit seinen Verletzungen kämpft.
Praxisbeispiel
Ein Klient berichtete, dass er immer wieder Partnerinnen fand, die emotional nicht erreichbar waren. Er fühlte sich in diesen Beziehungen unsichtbar und verzweifelt. Erst in der Therapie erkannte er, dass er unbewusst die emotionale Distanz seiner Eltern wiederholte. Durch die Arbeit mit Somatic Experiencing lernte er, seine Bedürfnisse klarer wahrzunehmen – und Schritt für Schritt Beziehungen zu gestalten, die ihm wirklich guttun.
Kundenstimme
Ich dachte lange, mit mir stimmt etwas nicht, weil ich immer wieder in schmerzhafte Beziehungen geriet. Heute verstehe ich, dass es alte Muster waren. In der Therapie habe ich gelernt, neue Wege zu gehen und zum ersten Mal Nähe zuzulassen.
(Frau, 41 Jahre)
Wege aus dem Kreislauf
Es ist möglich, diese Muster zu verändern – auch wenn es Zeit und Geduld braucht. Hilfreich sind:
- Bewusstwerden: Verstehen, dass sich alte Bindungsmuster wiederholen.
- Körperorientierte Therapie: Methoden wie Somatic Experiencing helfen, alte Alarmzustände zu regulieren.
- Neue Erfahrungen: In sicheren Beziehungen – sei es in der Therapie, Freundschaften oder Partnerschaft – entsteht allmählich neues Vertrauen.
Strategien für den Alltag
- Eigene Gefühle benennen und ernst nehmen
- Grenzen spüren und klar äußern
- Kleine Schritte in Richtung Nähe wagen
- Achtsamkeitsübungen für mehr Selbstwahrnehmung
👉 Mehr praktische Tipps finden Sie hier: Strategien für den Alltag
Fazit
Menschen mit Entwicklungstrauma ziehen oft Partner mit ähnlichen Verletzungen an, weil unser Nervensystem das Vertraute sucht. Doch diese Wiederholung muss kein Schicksal bleiben. Mit Verständnis, Selbstfürsorge und therapeutischer Begleitung ist es möglich, neue Wege in Beziehungen zu gehen – und gesunde, tragfähige Bindungen aufzubauen.
