Wenn Jugendliche in die Pubertät kommen, verändert sich vieles: Sie wollen unabhängiger werden, suchen ihre eigene Identität und grenzen sich von den Eltern ab. Das ist ein ganz normaler Prozess. Gleichzeitig kann ein Trauma ähnliche Verhaltensweisen hervorrufen – nur mit tieferer Ursache und oft stärkerer Belastung. Für Eltern ist es nicht leicht zu unterscheiden: „Ist das gerade typische Pubertät oder ein Anzeichen für Trauma?“
Normale Abgrenzung in der Pubertät
Pubertät bedeutet Entwicklung und Reifung. Typische Merkmale sind:
- Wunsch nach mehr Freiheit und Privatsphäre
- neue Freundschaften und Ablösung von der Familie
- Stimmungsschwankungen
- Kritik an Autoritätspersonen
- Rückzug ins eigene Zimmer
Diese Veränderungen sind Teil der Entwicklung und verschwinden meist, wenn Jugendliche mehr Sicherheit in ihrer eigenen Identität gefunden haben.
Folgen von Trauma bei Jugendlichen
Ein Trauma wirkt tiefer. Es ist nicht nur Ausdruck von Abgrenzung, sondern ein Signal eines überlasteten Nervensystems. Typische Anzeichen können sein:
- extreme Rückzüge, die über Wochen andauern
- plötzliche Panikattacken oder Flashbacks
- anhaltende Schlafstörungen oder Albträume
- selbstverletzendes Verhalten oder riskante Handlungen
- tiefe Hoffnungslosigkeit oder Gefühllosigkeit
Während Pubertät Bewegung und Veränderung mit sich bringt, zeigt sich Trauma oft in Starre oder extremen Ausschlägen, die das Leben deutlich beeinträchtigen.
Praxisbeispiel
Ein Vater berichtete, dass sein 16-jähriger Sohn sich stark abgrenzte – was er zunächst für „ganz normale Pubertät“ hielt. Doch als der Junge nicht mehr zur Schule ging, unter Panik litt und kaum schlief, wurde klar: Hier steckt mehr dahinter. In der begleitenden Arbeit konnten beide lernen, die Signale zu unterscheiden – und der Sohn fand Schritt für Schritt zurück zu mehr Stabilität.
Kundenstimme
Mir wurde klar, dass nicht jede Laune meines Kindes Trauma bedeutet – und nicht jede Abgrenzung nur Pubertät ist. Dieses Verständnis hat uns geholfen, besser miteinander umzugehen.
(Mutter, 46 Jahre)
Wichtige Unterscheidungsmerkmale
Pubertäre Abgrenzung
- vorübergehend
- wechselnde Stimmungen
- Suche nach Unabhängigkeit
- noch Interesse an Freunden und Hobbys
Traumafolgen
- über längere Zeit stabil (Wochen/Monate)
- starker Rückzug oder riskantes Verhalten
- Albträume, Flashbacks, Übererregung
- tiefe emotionale Taubheit oder Hoffnungslosigkeit
Wie Eltern reagieren können
- Beobachten: Veränderungen über längere Zeit ernst nehmen.
- Gespräch suchen: Offene, nicht wertende Fragen stellen.
- Sicherheit geben: Klare Strukturen schaffen.
- Unterstützung annehmen: Fachliche Hilfe suchen, wenn Unsicherheit bleibt.
Rolle der Therapie
Eine körperorientierte Traumatherapie wie Somatic Experiencing hilft Jugendlichen, ihr Nervensystem zu beruhigen. Eltern lernen parallel, besser zu verstehen, was ihr Kind braucht – und wie sie selbst stabil bleiben können.
Strategien für den Alltag
- Routinen pflegen (gemeinsame Mahlzeiten, feste Schlafzeiten)
- Raum für Rückzug geben, ohne sich ganz zurückzuziehen
- Entspannungsübungen oder Bewegung fördern
- kleine positive Erlebnisse ermöglichen
👉 Mehr dazu hier: Strategien für den Alltag
Fazit
Pubertät und Trauma können ähnliche Verhaltensweisen zeigen – doch die Tiefe, Dauer und Belastung unterscheiden sie. Mit Aufmerksamkeit, Geduld und der Bereitschaft, Unterstützung anzunehmen, können Eltern den Unterschied erkennen und ihr Kind wirksam begleiten.
