Ein Kontaktabbruch zwischen Eltern und erwachsenen Kindern trifft oft beide Seiten tief. Manchmal beendet das erwachsene Kind den Kontakt. Manchmal zieht sich jedoch die Mutter oder der Vater zurück.
Wenn eine Mutter den Kontakt zu ihrem erwachsenen Kind abbricht, wirkt das oft besonders verstörend. Viele Menschen verbinden mit der Mutter Nähe, Verlässlichkeit und eine lebenslange Zugehörigkeit. Umso schwerer wiegt ihr Rückzug. Beim erwachsenen Kind bleiben häufig Fragen, Schuldgefühle und der Wunsch zurück, doch noch verstanden zu werden.
Für das erwachsene Kind kommt dieser Schritt häufig unerwartet. Fragen bleiben offen: Was ist geschehen? Habe ich etwas übersehen? Ist die Beziehung endgültig vorbei?
Auch Eltern brechen den Kontakt meist nicht ohne Vorgeschichte ab. Hinter dem Rückzug können alte Verletzungen, Überforderung, ungelöste Konflikte oder der Wunsch nach Selbstschutz stehen. Das erklärt nicht alles. Es kann jedoch helfen, den Kontaktabbruch besser einzuordnen und einen ersten inneren Halt zu finden.
So schmerzhaft es ist: Ob die Eltern Kontakt möchten, entscheiden diese selbst. Sie können diesen Wunsch nicht erzwingen und den Kontaktabbruch nicht allein beenden. Vielleicht können Sie eine Tür offenlassen oder einmal ruhig Ihre Bereitschaft zu einem Gespräch zeigen. Danach bleibt oft nur, die Grenze der Eltern anzuerkennen und den eigenen Umgang mit Schmerz, Ohnmacht und offenen Fragen zu finden
Ein Kontaktabbruch entsteht selten aus einem einzigen Streit. Häufig haben sich Enttäuschungen, Missverständnisse oder alte Verletzungen über längere Zeit angesammelt. Manche Eltern fühlen sich nicht gesehen, nicht respektiert oder durch wiederkehrende Konflikte erschöpft. Andere erleben den Rückzug als einzigen Weg, sich selbst zu schützen.Manchmal wirken dabei frühe Beziehungserfahrungen oder ein Entwicklungstrauma nach, ohne dass den Beteiligten dieser Zusammenhang bewusst ist.
Auch neue Partnerschaften, unterschiedliche Lebensvorstellungen, Geldfragen oder Konflikte um Enkelkinder können eine Rolle spielen. Manchmal fehlen den Eltern die Worte für das, was sie belastet. Statt ein klärendes Gespräch zu führen, ziehen sie sich zurück oder brechen den Kontakt vollständig ab.
Wie Sie innerlich mit dem Kontaktabbruch umgehen können
Versuchen Sie nicht, Schmerz, Wut oder Sehnsucht sofort beiseite zu schieben. Nehmen Sie wahr, was da ist, ohne sich davon den ganzen Tag bestimmen zu lassen. Oft hilft es, den Gefühlen bewusst einen begrenzten Raum zu geben und danach wieder in den Alltag zurückzukehren. Achten Sie dabei auf Ihren Körper: auf den Atem, den Boden unter den Füßen und Momente, in denen etwas ruhiger wird. Hilfreich bleibt auch die Unterscheidung zwischen dem Wunsch nach Kontakt und dem eigenen Einfluss. Sie können innerlich offen bleiben, ohne zu warten, zu drängen oder das eigene Leben anzuhalten. So entsteht nach und nach wieder mehr Halt.
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